Friedhof

Mit der Erbauung der Kirche in Stanclewo 1907, der Einsetzung des Pfarrers ab dem 28. Juni 1907 sowie der Entstehung der Pfarrgemeinde am 22. Februar 1910, entstand der Friedhof der Pfarrgemeinde in unmittelbare Nähe zur Kirche. Die erste Beisetzung wurde in den Gemeindebücher am 23.Juli 1908 notiert und als Verstorbene Anna Hahn aus Szymanowka eingetragen, die am 20. Juli 1908 um 09.00 Uhr verstorben ist. Folglich wurden die Verstorbenen bis dahin auf anderen Friedhöfen beigesetzt.

Die Pfarrgemeinde Stanclewo entstand unter großer Bestrebung von Pfarrer Edward Hermann, Gemeindepfarrers aus Biskupiec, des späteren Weihbischofs der Diözese Ermland, der auf dem gekauften Grundstück Wirtschaftsgebäude, ein neues Pfarrhaus mit dem angebauten provisorischen Kirchengebäude (jetzige Kirche). Die Pfarrgemeinde entstand direkt an der Grenze zu Masuren, wo katholische Anwohner sich nach einer eigenen Kirche in der Nähe gesehnt haben. Die Pfarrgemeinde Stanclewo hatte viele Dörfer aus Ermland und Masuren: Sternsee (Stanclewo),  Almoyen (Jełmuń), Hohensee (Choszczewo), Gut Allmoyen, Kleine Kosarken (Mały Kozarek), Neuberg (Niborg), Johannistahl (Janiszewo), Alt, Neu Gehland (Stary i Nowy Gieląd), Gr. Kosarken (Duży Kozarek), Sorquitten (Sorkwity), Pustnik (Pustniki), Schiemanowen (Szymanówka), Surmowen(Surmówka) und a.

Nach dem zweiten Weltkrieg hat der Pfarrer aus Stanclewo auch die Gemeinde in Warpuny betreut. Allerdings wurden, nach dem Entstehen der katholischen Gemeinde in Sorkwity, die Ortschaften Sorkwity, Henrykowo, Kozarek, Gielad i Pustki aus der Gemeinde ausgegliedert. Später, in den 90-er Jahren, wurde die Gemeinde Stanclewo um die Ortschaft Bredynken erweitert, die bis dahin zur Gemeinde des heiligen Jan der Täufer in Biskupiec gehörte.

Das Verzeichnis der Verstorbenen der Geimeinde Stanclewo umfasst 1567 Einträge. Hinzu kommen Beisetzungen aus anderen Gemeinden. Interessant ist die Anzahl der Verstorbenen in jeweiligen Jahren:

1908 – 9 1909 – 22 1910 – 13 1911 – 17 1912 – 17 1913 – 22 1914 – 21
1915 – 37 1916 – 20 1917 – 25 1918 – 39 1919 – 16 1920 – 22 1921 – 32
1922 – 23 1923 – 23 1924 – 21 1925 – 20 1926 – 19 1927 – 27 1928 – 24
1929 – 22 1930 – 21 1931 – 14 1932 – 20 1933 – 12 1934 – 15 1935 – 18
1936 – 18 1937 – 28 1938 – 18 1939 – 19 1940 – 24 1941 – 17 1942 – 15
1943- 17 1944 – 46 1945 – 90 1946 – 25 1947 – 16 1948 – 12 1949 – 15
1950 – 11 1951 – 18 1952 – 23 1953 – 12 1954 – 15 1955 – 13 1956 – 16
1957 – 11 1958 – 13 1959 – 9 1960 – 5 1961 – 10 1962 – 18 1963 – 15
1964 – 11 1965 – 9 1966 – 8 1967 – 16 1968 – 13 1969 – 8 1970 – 6
1971/ 1972 – 9 1973 – 4 1974 – 8 1975 – 13 1976 – 11 1977 – 7 1978 – 8
1979 – 5 1980 – 9 1981 – 9 1982 – 12 1983 – 9 1984 – 9 1985 – 9
1986 – 10 1987 – 16 1988 – 9 1989 – 15 1990 – 8 1991 – 8 1992 – 5
1993 – 7 1994 – 10 1995 – 4 1996 – 8 1997 – 10 1998 – 10 1999 – 5
2000 – 10 2001 – 4 2002 – 12 2003 – 11 2004 – 4 2005 – 10 2006 – 10
2007 – 8 2008 – 16 2009 – 11 2010 – 21 2011 – 19 2012 – 12 2013 –

Zum Vergleich wurden, seit der Gründung der Gemeinde, 4218 Gemeindemitglieder getauft. Die Zahlen lassen folgern, dass im Schnitt 40 Taufen und 15 Beisetzungen pro Jahr zu verzeichnen sind.

Außer des Gemeindefriedhofs in Stanclewo existieren zusätzlich evangelische Friedhöfe in Choszczewo und Jelumin. Darüber hinaus gibt es viele andere Orte, an den einzeln oder in Sammelgräbern, Verstorbene beigesetzt worden sind, insbesondere während des zweiten Weltkriegs.

Der Analyse des Verstorbenen Verzeichnisses können interessante Informationen entnommen werden. So konnte z.B. die Übersicht der Gemeindepfarrer inkl. der Seelsorgezeiten ermittelt werden:

Lp. Vorname u. Nachname Jahre der Seelsorge
 1 Ks. Piotr Jagalski 1907 (1910) – 1930
 2 Ks. Jan Zink 1930 – 1934
 3 Ks. Hubert Krebs 1934 – 1937
 4 Ks. Feliks Wieczorek 1937 – 1954 (im 1945 am Ural)
 5 Ks. Marian Stanisławski 1954 – 1961
 6 Ks. Antoni Szubski 1961 – 1967
 7 Ks. Jan Latocha 1967 – 1993
 8 Ks. Jerzy Jaskuła 1993 – 1998
 9 Ks. Eugeniusz Pipała 1998 – 2009
 10 Ks. Andrzej Adamczyk 2009 –

Das Jahr 1945 war sicherlich das dramatischste der Geschichte der Gemeinde. Im Januar des Jahres marschierte die russische Armee ein. Am 15. Februar wurde Pfarrer Feliks Wieczorek in die Gefangenschaft auf dem Ural deportiert. Im Verstorbenen Verzeichnis befindet sich ein Eintrag, der der die Gefangenschaft von Pfarrer Wieczorek bestätigt: „In der Zeit, in der der hiesige Pfarrer sich in Gefangenschaft – am Ural –  befand, sind folgende Personen verstorben, die ohne Seelsorger beigesetzt wurden…“. An dieser Stelle sind viele Leute aufgelistet mit Angabe des Beisetzungsortes und der Todesursache. Während der Gefangenschaft vom Gemeindepfarrer wurde die Seelsorge durch die Pfarrer Gerard Rost aus Warpuny, der ebenfalls durch die Russen 5 Tage im Lager in Kentrzyn festgehalten wurde, und Pfarrer Leon Woywod aus Wegoj, der sich während der Besatzung durch Rotarmisten im Wald versteckt hielt. Nach der Rückkehr aus der russischen Gefangenschaft im Januar 1946 hat Pfarrer Wieczorek die Einträge zu Verstorbenen während des zweiten Weltkriegs, insbesondere aus 1945, im Verstorbenen Verzeichnis nachgetragen. Unter den Verstorbenen ist auch Małgorzata Wieworra (Gottesdienerin) gelistet, deren Seligsprechung aktuell in unserer Erzdiözese geprüft wird. Neben ihrem Namen, unter der Eintragsnummer 59 b, hat der Pfarrer eingetragen: „Margarethe Wiewiorra aus Stanclewo, geb. 15.10.1928, verstorben 09.03.1945, beigesetzt am 15.03.1945 im Garten der Familie Wiewiorra, erschossen“. Das Grab befindet sich bis heute an der gleichen Stelle, der heutigen Ostoi, in der Kolonie Stanclewo. Künftig soll das Grab auf den Gemeindefriedhof verlegt werden, um die Ehrung der seligen Märtyrerin zu erleichtern.

Pfarrer Wieczorek listet ebenfalls viele Namen getöteter oder verstorbenen im Exil und zeigt die Orte deren Beisetzung außerhalb des Gemeindefriedhofs (im Garten, an der Schule, auf einem anderen Friedhof).Unter den Verstorbenen, die auf unserem Gemeindefriedhof beigesetzt wurden, befindet sich auch ein Grab der deutschen Soldaten, die im zweiten Weltkrieg als Verletzte im provisorischen Lazarett in der  Schule in Stanclewo behandelt wurden und verstorben sind.

Die Schönheit unseren Friedhofs stellen die alten Gräber, geschmiedete Eisenkreuze, die meist der Restaurierung und Konservierung bedürfen und das große hölzerne Kreuz im Zentrum des Friedhofs.

Als Besonderheit kann ein Erinnerungsstück an eine verstorbene Person gelten, die sich unserer Gemeinde befindet. Es handelt sich um Element im Hauptaltar in der Kirche in Stanclew, das bei Restaurationsarbeiten 2003 entdeckt wurde. Es ist Bestandteil des Epitaphs  von Agnieszka Rozanowska, die im Jahre 1600 verstorben ist und die Mutter von Pfarrer Tomasz Trettera war. Er war Sekretärs von Kardinal Stanislaw Hozjusz (Gründer von Stanclew und Bredenken!), Domherr an der Kirche der Gottesmutter in Trastevere in Rom und später Küster an der Kathedrale in Frauenburg. Die Aufschrift lautet: “Gott der Allmächtige und der Größte, der Agnieszka Rozanowska, der Ehefrau von Jakub Tretter; von Tomasz Tretter, römischem Domherr der Heiligen Maria in Trastevere, Küster und Domherr in Ermland angebracht. Verstorben am 08. Januar im Jahre des Herren 1600…”

Zur Ergänzung der Ausführungen sollten Informationen über Beisetzungsorte der Geimeindepfarres aus Stanclew genannt werden. So hat sich der erste Pfarrer, Piotr Jagalski, nach der zur Ruhesetzung als Rentner in Biskupiec Reszelski niedergelassen und ist dort am 20.03.1937 gestorben. Leider blieb sein Grab nicht am dortigen Friedhof erhalten. Pfarrer Jan Zink verbrachte seine letzten Jahre in Purda Wielka, wo er am 19.05.1936 starb. Pfarrer Hubert Krebs blieb die letzten Lebensjahre im Hause der Elisabethschwestern in Strszewo bei Sztum und ist dort am 09.05.1959 verstorben. Beigesetzt wurde er in Gutkowo, wo er früher viele Jahre als Gemeindepfarrer gedient hat. Pfarrer Feliks Wieczorek, ausgesiedelt aus Polen 1957, hat in Deutschland gearbeitet, wo er 1965 in Rosenbeck (Sauerland) in den Ruhestand ging und sich anschließend in Bad Lippspringe, in der Diözese Padeborn, niederließ. Dort verstarb er am 28.07.1986. Pfarrer Marian Stanislawski hat seine letzten Jahre in einem Armenhaus Nowa Deba bei Tarnobrzeg, wo am 15.01.1993 starb. Pfarrer Antoni Szubski wohnte als Rentner in Olsztyn, wo er am 23.02.2007 starb und auf dem Stadtfriedhof an der Querstraße in den Gräbern der Geistlichen. Pfarrer Jan Latocha zog nach der Pensionierung nach Krakau, wo er am 04.03.1995 starb, beerdigt wurde er auf dem Friedhof in Wadowice. Pfarrer Jerzy Jaskuła kehrte nach seiner Pensionierung zu seinem Geburtsort zurück. Er starb am 12.07.2005 in Blazelewo und beigesetzt wurde er auf dem Friedhof in  Bnin neben seinen Eltern. In unseren Gebeten denken wir an unsere Seelsorger.

dzwonÜber dem Eingangstor zum Friedhof, noch vor dem Bau der neuen Umzäunung, stand die Überschrift: “Wir werden auferstehen”. Dieser Ausdruck drückt den Glauben, dass trotz des Endes des irdischen Lebens die Hoffnung auf ein ewiges Lebens uns begleitet.

Auf der Kirchenglocke, auf der das Jahr 1920 eingraviert ist, steht in Latein: “MORTUOS PLANGO” (bedeutet: “Die Toten beklage ich”). Es handelt sich um ein Teil des Spruches, der oft auf Kirchenglocken verewigt ist: “Mortuos plango, vivos voco, fulgura frango”, was bedeutet: ” Die Lebenden rufe ich. Die Toten beklage ich. Die Blitze zerbreche ich.”. Das Läuten, wenn der Verstorbene in die Kirche getragen und nach der heiligen Messe aus der Kirche begleitet wird, ist ein Ausdruck unserer Tränen und der Trauer. Diese Gefühle werden durch die Stimme der Glocke ergänzt.